Logo

ATI-Grafikkarten unter Ubuntu

Schlagwörter: ATI, Treiber

Immer wieder höre oder lese ich, dass ATI-Grafikkarten unter Linux ein echter Graus sind. Die Schuld wird oft beim Treiber gesucht. Da ich früher lei­den­schaftlicher NVIDIA-Benutzer war und nun wieder bei ATI angekom­men bin, möchte ich für let­ztere eine Lanze brechen. Der Grund für einen Wech­sel liegt ganz ein­fach in der Wirtschaftlichkeit. Ich würde ich mich sel­ber als Gele­gen­heit­szocker (unter Win­dows) beze­ich­nen. So brauche ich nicht zwin­gend die neueste und brachial­ste Grafikpower, aktuelle Spiele soll­ten aber schon einiger­maßen flüs­sig laufen. Unter Linux hinge­gen soll die Grafikkarte nicht unnötig Strom ver­brauchen, das Pow­er­man­age­ment im 2D-Betrieb soll also effizient funktionieren.

Als es vor län­gerer Zeit notwendig würde, einen neuen Rech­ner zusam­men­zuschrauben, musste ich mich notwendi­ger­weise auch auf dem Grafikkarten­markt umse­hen. Damals führte kein Weg an ATI vor­bei, so dass ich mich zum Kauf einer HD 4850 entsch­ied, die ich nun gegen eine HD 5770 tauschte.  Zur Zeit der 4850 kon­nten nur ATI-Grafikkarten vernün­ftig Strom sparen, NVIDIA humpelte hin­ter­her bzw. waren die Mod­elle, die dies beherrschten, außer­halb meines dafür vorge­se­henen Budgets.

Zugegebener Maßen war die Umstel­lung schon etwas herb. Der ATI-Treiber ließ damals vieles an Kom­fort ver­mis­sen, was sein Pen­dant für die GeForce-Karten schon lange bot. Auch heute ver­misse ich Com­piz im Twinview-Modus schmer­zlich. (Auch wenn einige Com­piz als Spiel­erei abtun, ein paar Fea­tures erle­ichtern auch die Arbeit am PC.)

Den­noch hat ATI einiges aufge­holt, auch wenn sich noch längst nicht alles per GUI ein­stellen lässt und man sich viele Infos müh­sam zusam­men suchen muss. Daher will ich hier einige meiner Ein­stel­lun­gen veröffentlichen.

Treiber herun­ter­laden und installieren

Treiber­man­ager

Nur der [[proprietär|proprietäre]] ATI-Treiber bietet derzeit volle 3D-Unterstützung. Dieser kann zum einen über den Treiber­man­ager instal­liert wer­den. Dazu ruft man, je nach ver­wen­de­ter Arbeit­sumge­bung, einen der fol­gen­den Befehle mit [[sudo|Root-Rechten]] auf:

sudo jockey-kde # KDE
# bzw.
sudo jockey-gtk # GNOME, XFCE

Danach öffnet sich ein Fen­ster, in dem man ver­schiedene pro­pri­etäre Treiber nachin­stal­lieren kann, ATI– oder NVIDIA-Treiber, WLAN-Treiber und so weiter.

KDE-Jockey

Dazu muss man den gewün­schten Treiber ein­fach nur selek­tieren und mit dem Aktivieren–But­ton instal­lieren. Anschließend ist ein Neustart von Nöten.

Manuelle Instal­la­tion

Ich per­sön­lich bevorzuge den Treiber direkt von der ATI-Seite. Da gehe ich allerd­ings auf die inter­na­tionale Down­load­seite, da die deutsche oft ältere Treiber anbi­etet. Sollte über den angegebe­nen Link die deutsche Seite angezeigt wer­den, gelangt man über einen Klick auf

World­wide » North Amer­ica » English

zur US-Seite. Dort lade ich mir den aktuellen Treiber für mein 64-Bit-Linux herunter und instal­liere ihn folgendermaßen:

chmod +x ati-driver-installer-*-x86.x86_64.run # Script ausfuehrbar machen
sudo ./ati-driver-installer-*-x86.x86_64.run # Script mit Root-Rechten starten

ATI-Treiber

Anschießend muss ich nur noch Anweisun­gen zur automa­tis­chen Instal­la­tion fol­gen und dann den Rech­ner neu starten. Sollte was schief gehen, wird mit fol­gen­den Befehl die Datei xorg.conf im Verze­ich­nis /etc/X11 neu geschrieben oder überhaupt erst erstellt. Eine unter Umstän­den schon beste­hende Datei wird dabei gesichert:

sudo aticonfig --initial -f

Bei einem Fehlver­such kann dieser Befehl entweder über den abgesicherten Modus oder in einem virtuellen Ter­mi­nal angegeben werden

Mon­i­tor per HDMI

Als ich mich von meinem DVI-Kabel ver­ab­schiedet hatte und das erste Mal den Rech­ner über ein HDMI-Kabel mit dem Mon­i­tor ver­band, erlitt ich einen kleinen Schock. Die kor­rekte Auflö­sung von 1920*1080 war sowohl im Catalyst-Control-Center (CCC) als auch in [[KDE]]s Sys­te­me­in­stel­lun­gen einge­tra­gen. Den­noch war run­dum ein bre­iter hässlicher Rand zu sehen. Das war nicht nur unter Linux, son­dern auch unter Win­dows 7 der Fall. Durch Zufall ent­deckte ich die Lösung, die ich durch die Kor­rek­tur der Skalierung­sop­tio­nen erre­ichte. Den Schiebere­gler musste ich dabei auf 0% ein­stellen und schon wurde alles wieder hüb­sch angezeigt. Der Regler ist im CCC unter fol­gen­dem Punkt zu finden, siehe Screenshot:

Anzeigen-Manager » DTV » Reiter Anpass­sun­gen

Skalierung im CCC

Neuerd­ings merkt sich mein Rech­ner aber die gewün­schte Wieder­hol­ungsrate von 60 Hz nicht mehr. Bei jedem Start setzt er diese auf 30 Hz herunter, was zu einem wun­der­baren Flim­mern des Bild­schirms führt. Mit dem Befehl:

xrandr --rate 60

im [[Autostart]] helfe ich ihm auf die Sprünge. Dieses Ver­hal­ten kann ich aber erst seit der HD 5770 beklagen.

Mit dem Befehl:

xrandr -s 1920x1080

ließe sich im Übrigen auch eine bes­timmte Auflö­sung erzwingen.

Fein­tun­ing

Meine ATI-Grafikkarten stammten bisher immer aus dem Hause Pow­er­color. Diese haben einen größeren Lüfter, der langsamer drehen kann und somit auch leiser sein sollte. Irgend­wie inter­essiert dies den Treiber aber nicht. Er lässt den Lüfter, unberührt von nur 28°C-Kartentemperatur, bei ca. 40% drehen. Das ist im leisen Zim­mer ziem­lich “gut” hör­bar. Daher regle ich die Geschwindigkeit des Lüfters auf 20% herunter. Das ist der Minimal-Wert der sich unter Win­dows in der GUI ein­stellen lässt. Daher möchte ich auch nicht wirk­lich tiefer gehen. Das Lüfterg­eräusch der Grafikkarte ist dann ohne­hin nicht mehr auszumachen.

aticonfig --pplib-cmd "set fanspeed 0 20"

Mit

aticonfig --pplib-cmd "get fanspeed 0"

kann der Erfolg des let­zten Befehls überprüft wer­den. Ab und an kon­trol­liere ich auch die aktuelle Tem­per­atur der Grafikkarte, so dass diese nicht heiß laufen kann:



aticonfig --adapter=0 --od-gettemperatur

Fazit

Mit den hier angegebe­nen Tipps kann man, imho, das Ver­hal­ten der ATI-Grafikkarten ziem­lich gut ein­stellen und deren Fea­tures gut aus­nutzen. Dabei muss man allerd­ings den Umweg über das Ter­mi­nal gehen, da längst noch nicht alle Fea­tures im CCC wie unter Win­dows geboten, ver­füg­bar sind. Bleibt zu hof­fen, dass ATI den­noch bald zumin­d­est den Anschluss an NVIDIA schafft, was die Usabil­ity unter Linux bet­rifft. Dies sollte ihnen wohl leichter fallen, wenn sie den Treiber als [[Open Source]] veröf­fentlichen wür­den — so wie schon es längst seit­ens ATI angekündigt und seit­ens der Linux-Nutzer gefordert wurde.


Geschrieben am 25.01.2010 von Sven in Aktuelles, Linux, Programmtipp, Prüfstand · 6 Kommentare
Weder Pings noch Kommentare sind erlaubt.

6 Komentare auf “ATI-Grafikkarten unter Ubuntu”

  1. Elke sagt:

    Hi,
    ich habe bis jetzt mehrfach erfol­g­los ver­sucht meine HD5770 (sap­phire) unter Ubuntu 9.10 x64 zum laufen zu brin­gen. Nach der Instal­la­tion (jew­eils mal mit der Ubuntu-eigenen Hard­wa­reerken­nung und mit dem 9.12 von ATI) wird nach dem Boot nur ein schwarzer Bild­schirm angezeigt.
    Dann muss ich immer wieder umständlich die Recovery-Konsole nutzen um den Treiber zu dein­stal­lieren, bzw. meine xorg.conf löschen und im low-graphic-modus arbeiten.

    Unter Win7 tut die Karte ohne Prob­leme, kann also kein Hard­wareprob­lem sein, oder?

    Gibt es da irgendwelche Ratschläge, oder bekan­nte Fehlerquellen?

    • Sven sagt:

      Nor­maler­weise sollte das Ganze mit dem Befehl “ati­con­fig –ini­tial –f” funk­tion­ieren. Anson­sten kann ich so auf die Schnelle auch nicht wirk­lich viel mehr sagen. Eventuell setzt der Treiber auch bei dir die Wieder­hol­ungsrate so tief an, dass dein Mon­i­tor dies gar nicht mehr anzeigen kann.

      Generell sollte der Treibe funk­tion­ieren, macht er ja bei mir zumin­d­est auch. Am besten wäre wohl, du postet dein Prob­lem unter Angabe der Hardware-Komponenten und der erzeugten xorg.conf im ubuntu-forum.de oder bei den ubun­tu­users, wenn die bei­den Sachen auch nichts bringen.

  2. Jörg sagt:

    Ich bin Linux-Neuling und habe nach dem meine Nvidia den Geist aufgegeben hat, mir eine Ati zugelegt unter Win­dows keine Prob­leme. Unter Linux habe ich mit dem Treiber von Ati nur Prob­leme. Hab so ziem­lich alle Foren nach Prob­lem­lö­sun­gen abge­grast gepostet und per­sön­lich bei Leuten ange­fragt und keine Lösung funk­tion­ierte. Natür­lich kön­nte ich nun sagen sch… Linux, Ubuntu. aber für diese Treiber kön­nen die Linux-Entwickler ja nichts.
    Bleibt mir wohl nur der Neukauf eine Nvidia-Karte und die Ati einem Win-User anzudrehen.

  3. Ettore sagt:

    @Sven:

    AMD/ATI woll­ten und haben nur die Spez­i­fika­tio­nen ihrer Grafikkarten freigegeben, damit darauf auf­bauend fremde Pro­gram­mierer mith­ilfe von ein paar weni­gen ATI-Programmierern einen Open-Source-Grafiktreiber schreiben kön­nen. Der pro­pri­etäre ATI-Grafiktreiber flgrx sollte nie und wird wahrschein­lich auch nie als Open Source veröf­fentlicht werden.

Trackbacks/Pingbacks

  1. […] Desktop-Würfer usw. Lei­der streikte die Funk­tion auf mei­nem Rech­ner, seit ich eine ATI-Grafikkarte ver­baut und den ent­spre­chen­den pro­prie­tä­ren Trei­ber von ATI direkt […]

  2. Lucid Lynx sagt:

    […] muss (bzw. will) ich aber den Trei­ber vom Her­stel­ler nut­zen. Nur mit die­sem kann ich die Lüf­ter­ge­schwin­dig­keit auf 20% her­un­ter­re­geln, was den Lüfter […]


Diese Seite und ihr Inhalt unterliegen, sofern nicht anders gekennzeichnet, einer Creative Commons-Lizenz.
cclicense
top