Logo

Firefox-AddOn Vimperator

Schlagwörter: AddOn, Firefox

Es mutet schon etwas komisch an, wenn in der aktuellen Lin­uxUser (3/2009) über eine ganze Dop­pel­seite ein [[Firefox]]-AddOn beschrieben wird. Wenn diese Erweiterung dann auch noch den Browser dahinge­hend ändert, dass er sich im [[Vim]]-Stil bedi­enen lässt, so ist das auf den ersten Blick für mich eher ver­wirrend und es stellt sich mir die Frage nach dem Sinn des Ganzen. Die Rede ist vom AddOn Vimperator.

Nach einiger Eingewöh­nungszeit offen­baren sich allerd­ings die Vorteile und der Nutzen, den ich daraus ziehen kann.
Die Sache hat allerd­ings einen Haken: Man muss entweder in der Lage sein, den Vim halb­wegs bedi­enen zu kön­nen oder aber den Willen auf­brin­gen, die nicht ganz alltägliche Bedi­enung, wenn auch nur in Grundzü­gen, zu erler­nen. Wer schon Erfahrun­gen mit Vim sam­meln kon­nte, wird sich ziem­lich schnell zurecht finden. Aber auch für absolute Laien bietet die Erweiterung Vorteile, selbst wenn man nur ein oder zwei Short­cuts und nicht die ganze Funk­tionsvielfalt nutzen möchte.

Da ich mich nicht wirk­lich zu den Vi-Cracks zählen kann, aber des Öfteren mit dem Edi­tor arbeite, meist bei Änderun­gen an Kon­fig­u­ra­tions­dateien oder son­sti­gen Arbeiten, wenn diese [[sudo| Root]]-Rechte erfordern, hält sich die Eingewöh­nungsphase in Grenzen.

Aber von vorn:
Ein­gangs warf ich die Frage auf, wozu das Ganze überhaupt gut sein kann. Als Antwort fallen mir einige Gründe ein, die zumin­d­est aus­re­ichen, mich zu überzeu­gen. Mir ist dabei dur­chaus klar, dass diese einge­fleis­chten Maus­nutzer und –fans nicht wirk­lich in den Bann ziehen — aber es kann ja jeder für entschei­den, welche Hil­f­s­mit­tel und Pro­gramme er in welcher Form auch immer ein­set­zen mag.

Seit kurzer Zeit nenne ich ein Net­book (Sam­sung NC 10) mein Eigen. Zum Gerät sel­ber werde ich später etwas schreiben. Naturgemäß zeich­nen sich die kleinen Helfer­lein durch ein kleines Dis­play aus. Damit wächst mein Bestreben, Soft­ware einzuset­zen, die diesen Anforderun­gen entspricht. Mit anderen Worten — sie soll den vorhan­de­nen Platz so gut es eben geht ausnutzen.

Beim Fire­fox ist es aber so, dass die diversen Menüs eine Menge an Platz weg­nehmen und besten­falls schön anzuse­hen sind. Let­zterer Punkt ist mir, und vielle­icht auch eini­gen anderen Netbook-Nutzern, recht egal, wenn ich mehr auf den Bild­schirm angezeigt bekomme und damit besser arbeiten kann.
Lässt man sich die Menü-, Adress– und Tableiste anzeigen, ist schon fast ein Drit­tel des Platzes belegt. Hinzu kommt, dass man zur Nav­i­ga­tion durch das Web auf das Touch­pad oder eine Maus angewiesen ist, um einiger­maßen voranzukom­men. Das Ganze ist dann nicht nur zeit– son­dern auch energieintensiv(er).

Diese “Missstände” möchte Vim­per­a­tor verbessern.

Das AddOn lade ich direkt auf der Pro­jek­t­seite und lasse es direkt instal­lieren. Anschließend  starte ich Fire­fox neu. Schon fehlen ihm alle Menüs. Darauf wurde ich allerd­ings schon vom AddOn hingewiesen. Da auch uner­fahrene Benutzer nicht abgeschreckt wer­den sollen, wird angezeigt, wie man die Menüs wieder ein­schal­ten kann.

Durch diese Spar­maß­nahme gewinne ich einiges an Bild­schirm­platz. Ob und welche Menüs ich mir anzeigen lassen möchte, kann ich für die jew­eilige Sitzung oder per [[Kon­fig­u­ra­tions­datei]] auch dauer­haft fes­tle­gen. Dazu allerd­ings erst im näch­sten Abschnitt mehr.
Ich kann ab sofort durch die Web­seiten navigieren, als würde ich mich mit dem Vi durch eine Text­datei bewe­gen. Fire­fox befindet sich im soge­nan­nten Befehlsmodus, wie ich ihn aus dem Vi kenne. So führt die Taste j nach unten, mit k nach oben scrollen. Will ich seitlich durch die Seite navigieren, helfen h für links und l für rechts.

Um den Browser zu schließen, ver­wende ich die Tas­tenkom­bi­na­tion ZQ, um dabei den aktuellen Stand für die näch­ste Sitzung spe­ich­ern, bedi­ene ich mich des Kürzels ZZ. Ein neuer Tab lässt sich mit STRG+t öffnen. Mit STRG+n springe ich zum näch­sten, mit STRG+p zum vorherge­hen­den Tabs. Zum Schließen eines Tabs muss ich nur auf d drücken. Die aktuelle Seite lädt r neu. Ein­mal verin­ner­licht kom­men mir selbst die zuvor genutzten Maus­gesten umständlich vor. Schon alleine für diese Nav­i­ga­tion­s­möglichkeiten, lohnt sich die Instal­la­tion des AddOns für mich.

Aber dies ist noch längst nicht alles. Zuvor erwäh­nte ich die Möglichkeit, dass bes­timmte Kon­fig­u­ra­tio­nen für die Sitzung oder auch all­ge­mein vorgenom­men wer­den kön­nen. Für ersteres ver­setze ich den Fire­fox in den Kom­man­dozeilen­modus. Das erre­iche ich, wie vom Vi gewohnt, durch die Eingabe eines Dop­pelpunk­tes. Dazu muss sich der Browser zwin­gend im Befehlsmodus befinden. Das wird durch Betäti­gen der ESC–Taste gewährleis­tet. Prob­lema­tisch kann sich dann erweisen, wenn im Browser großflächig Eingabe-Textfelder angezeigt wer­den. Da kann man sich aber mit der TAB-Taste behelfen.

Der Kom­man­dozeilen­modus ist ein sehr mächtiges Hil­f­s­mit­tel. In diesem kann man, wie erwähnt, Kon­fig­u­ra­tio­nen ändern. Dazu tippe ich nach dem Dop­pelpunkt das Schlüs­sel­wort set, ohne Leerze­ichen. Dem fol­gen dann die zu ändernde Ein­stel­lung und deren neuer Wert. Beim Anzeigen der möglichen Eingabe­w­erte hilft die TAB–Taste, die über eine Kom­plet­tierungs­funk­tion ver­fügt. Diese wiederum richtet sich nach der bere­its erfol­gten Eingabe. Prak­tisch sieht das dann fol­gen­der­maßen aus. Um mit sämtliche Leis­ten des Browsers anzeigen zu lassen, gebe ich fol­gen­des ein:

:set guioptions+=mTb

Danach ste­hen das Menü (m), die Tableiste (T) und die Leiste mit den Book­marks (b) wieder zur Ver­fü­gung.
Da die Vielfalt der Eingabe­möglichkeiten ziem­lich unüber­schaubar ist, bietet Vim­per­a­tor eben­falls eine leis­tungs­fähige Hilfe. Diese ver­fügt auch über eine Such­funk­tion. Mit

:help

wird die Hilfe aufgerufen. Um dort etwas zu suchen, gebe ich einen Slash /, gefolgt vom Suchaus­druck ein. So funk­tion­iert, neben­bei erwähnt, auch die Suche in einer Web­seite. In diesem Fall braucht allerd­ings nur der Schrägstrich eingeben wer­den.
Um mir die Hilfe zu einer bes­timmten Sache anzeigen zu lassen, gebe ich, um beim Beispiel zu bleiben, fol­gen­des ein:

:help guioptions

Auf diese Weise lassen sich eben­falls Ein­stel­lun­gen testen, bevor man sich in der Kon­fig­u­ra­tions­datei ver­ankert. Die befindet sich im meinem Benutzerverze­ich­nis und muss von mir angelegt werden:

vi .vimperatorrc

Dort trage ich die Werte ohne weit­ere Schlüs­sel­wörter ein, etwa:

guioptions+=mTb

um mir die Menüleis­ten auf dem Desk­to­prech­ner immer anzeigen zu lassen.

Ich kann aber auch direkt die Kon­fig­u­ra­tionspunkte aufrufen, indem ich fol­gen­des eingebe:

:dialog <TAB>

So wer­den mir alle Möglichkeiten angezeigt. Zwis­chen diesen kann ich mit­tels TAB–Taste vor­wärts, mit SHIFT+TAB rück­wärts sprin­gen. Um zum Beispiel die Ein­stel­lun­gen aufzu­rufen, genügt fol­gen­der Befehl:

:dialog preferences

Zur Eingabe einer URL dient der Befehl:

:open

oder auch kurz und prak­tisch Shock.

Für das Browsen durch die Chronik bzw. Leseze­ichen kann wieder die TAB-Taste ver­wen­det wer­den. Dazu habe ich in der Kon­fig­u­ra­tions­datei fest­gelegt, was zuerst durch­forstet wer­den soll:

set complete=hbs

Damit wer­den zuerst die Leseze­ichen und danach die bere­its besuchten Seiten angeboten.

Gebe ich keine kom­plette URL ein, so ver­sucht Fire­fox, die richtige Seite zu “erraten”.

:open heise

leitet er dem­nach direkt nach heise.de um. Erkennt er keine kor­rekte URL, schickt er die Eingabe an die vor­eingestellte Such­mas­chine. Als solche habe ich in der Kon­fig­u­ra­tions­datei Google definiert. Anders als in anderen Anleitun­gen funk­tion­iert bei mir nur der fol­gende Eintrag:

set defsearch=google

Funk­tion­iert der Ein­trag nicht, kann  set defsearch=g zum Erfolg führen.

Damit auch hin­ter­legte Links ohne Zutun der Maus erre­icht wer­den kön­nen, lässt man sich mit f deren Num­mer anzeigen. Diese tippt man in Anschluss ein und bestätigt die Eingabe ggf. (etwa Link #1, wenn ins­ge­samt mehr als neun vorhan­den sind) mit Enter.

Wie schon erwähnt, sind die Möglichkeiten der­art umfan­gre­ich, dass sie den Rah­men des Blogs leicht spren­gen wür­den. Am schnell­sten gelingt mir die Eingewöh­nung durch Anwen­den. Vieles lässt sich rel­a­tiv intu­itiv lösen, zumal die [[Vim/Shortcuts|Shortcuts des Vi]] auf den Browser angewen­det, oft­mals 1:1 umge­setzt wurden.

Nach einiger Zeit, in der ich das AddOn nun nutze, möchte ich es nicht mehr mis­sen. Auf dem Net­book ver­hilft es mir zu einer größeren Anzeige­fläche. Auf den Rech­n­ern, wo dies nicht so sehr eine Rolle spielt, kann ich auf Grund der Tas­tenkürzel wesentlich schneller sur­fen und ers­pare mir den Griff zur Maus.

Fazit:

Wer schnell und effek­tiv mit dem Fire­fox arbeiten, oder sich mehr Platz auf dem Bild­schirm ver­schaf­fen möchte, surft mit Vim­per­a­tor schnell und leicht durchs Netz. Ungeübte Vi-Benutzer müssen sich diesen Kom­fort allerd­ings mit einer nicht zu ver­ach­t­en­den Einar­beitungszeit erkaufen.

Geschrieben am 26.02.2009 von Sven in Aktuelles, Firefox, Netbook, Programmtipp · Kommentare deaktiviert
Weder Pings noch Kommentare sind erlaubt.

Kommentare sind geschlossen.


Diese Seite und ihr Inhalt unterliegen, sofern nicht anders gekennzeichnet, einer Creative Commons-Lizenz.
cclicense
top