Vor ein paar Tagen wurde die Version 3.5 des Firefox fertiggestellt und zum Download freigegeben. In der Windows-Version wird die Aktualisierung direkt automatisch bzw. per Knopfdruck eingespielt. Natur- und politikgemäß ist dies im laufenden Release von Ubuntu nicht der Fall. Dort werden ja nur die jeweiligen Sicherheitsupdate eingespielt, Versionsupdate fließen erst in das nächste Ubuntu-Release ein. Trotzdem möchte auch ich als Ubuntu-User in den Genuss der neuen Version kommen. Ebenso will ich die alte und die neue Version parallel nutzen (können). Dies finde ich zum Beispiel dann vorteilhaft, wenn nicht alle benötigten AddOns in der neuen Version lauffähig sind. Doch dazu später mehr.
Die Installation von Firefox 3.5 ist eigentlich gar keine. Ich lade einfach das gepackte Archiv herunter, entpacke dieses und kopiere das entstandene Verzeichnis firefox in mein Benutzerverzeichnis.
Wer den Firefox 3.5 global für alle User des Systems zur Verfügung stellen will, legt das Verzeichnis einfach in /opt ab. Die folgenden Pfade müssen bei anders lautendem Speicherort natürlich angepasst werden.
Anschließend könnte ich Firefox direkt in der Konsole starten:
~/firefox/firefox
So finde ich die Sache allerdings nicht wirklich komfortabel. Schließlich will ich heute nicht mehr extra ins Terminal gehen, um ein Programm zu starten, sondern dies direkt per Icon-Klick erledigen. Dazu lege ich mir einen Starter (GNOME) an, bzw. passe mir mein Desktop-Widget (KDE) entsprechend an.
Mit alacarte (GNOME) bzw. kmenuedit (KDE) füge ich in das jeweilige Hauptmenü der Arbeitsumgebung einen neuen Eintrag hinzu. Diese muss ich allerdings noch etwas erweitern. Dieser Punkt steht als Nächstes an.
Würde ich Firefox ohne weitere Anpassungen starten, würde er das bestehende Profil des “alten” Firefox verwenden. An sich wäre das auch nicht schlimm. Vorhandene AddOns würden genutzt werden, soweit sie kompatibel sind. Direkt beim ersten Start würde Firefox nach Aktualisierungen für inkompatible AddOns suchen. Würde das auch nicht fruchten, so würden sie deaktiviert. Einstellungen, Lesezeichen etc. könnten und können weiterhin genutzt werden.
Wie eingangs erwähnt, können die alte und die neue Version von Firefox parallel genutzt werden. Durch das Herunterladen und Kopieren der neuen Version, wurde die alte überhaupt nicht angefasst. Es kann lediglich zu Problemen kommen, wenn beide Versionen dasselbe Profil nutzen sollen. Die AddOns sind z.B. nicht immer versionsübergreifend kompatibel. Das ist allerdings überhaupt kein Problem, da Firefox über einen sogenannten Profilmanager verfügt. Damit lässt sich der Browser, hier auch verschiedene Versionen, mit jeweils eigenem Profil starten. In diesem Profil werden die persönlichen Daten, Cookies, Lesezeichen und eben auch AddOns abgelegt. Die Browser-Plugins sind davon ausgenommen und werden profilunabhängig eingebunden.
Alle Profile befinden sich innerhalb des Konfigurationsverzeichnis ~/.mozilla/firefox in meinem Benutzerverzeichnis. Dort werden sie in voneinander getrennten Verzeichnissen vorgehalten, welche durch ihren kryptischen Namen (alphanumerisches Wirrwarr gefolgt vom Profilnamen, so wie ihn der Profilmanager anzeigt) sofort ins Auge stechen. Bei meiner Standard-Installation /-Nutzung von Firefox existiert nur ein Profil.
Ich wechsle also die Konsole, um Firefox bzw. dessen Profilmanager mit folgendem Befehl zu starten:
firefox -ProfileManagerDer ist eigentlich selberklärend, so dass ich ganz leicht ein neues Profil erstellen kann. In das neu entstandene Verzeichnis (s.o.) kopiere ich den Inhalt des alten Profils. Auf diese Weise muss ich nicht bei Null anfangen, wenn ich mit dem neuen Firefox arbeiten will. Nachdem all dies erledigt ist, passe ich noch die Aufrufparameter der Starter etc an. Diesen muss ich noch mitteilen, mit welchem Profil der Browser gestartet werden soll.
Dazu ergänze ich den Aufruf-Parameter der jeweiligen Starter mit der Option -u profil_name, wobei der Profilname dem entspricht, was der Profilmanager anzeigt (- nicht etwa dem Ordnernamen aus dem Benutzerprofil).
Auf diese Weise kann ich die Firefox-Version nutzen, die bzw. deren Funktionalität ich gerade benötige.
Diesen Aufwand betreibe ich eigentlich nur aus akademischen Gründen. Notwendig ist er nicht unbedingt. Auch wenn nicht alle AddOns 100prozentig funktionieren - für die, für die es noch kein Update gab oder auch geben wird. habe ich immer mindestens gleichwertigen Ersatz finden können. Dazu werde ich aber wohl einen separaten Eintrag verfassen, wenn ich die Erweiterungs-Übersicht hier im Blog aktualisiert habe.
Hinweis:
Problematisch zeigte sich bei allerdings noch eine Sache. Ich habe ein 64-Bit-System installiert, auf dem auch ein 64-Bit-Firefox aus den Repos lief. Daher musste ich für diesem das 64-Bit-Flash- und -Java-Plugin installieren. Mit diesen verweigert der heruntergeladene Firefox allerdings die Nutzung von Flash- und Java-Seiten. Zum Download wird leider nur die 32-Bit-Version angeboten. Daher musste ich die jeweiligen Plugins in ihrer 32-Bit-Variante installieren.
Fazit
Bisher ist mir noch kein Patzer an der neuen Version aufgefallen. Alles, bis auf ein paar veraltete AddOns, läuft hervorragend. Zumindest subjektiv kommt er mir auch schneller vor. Da ich auch über seine Vorgängerversion nicht klagen konnte, surfe ich weiterhin rundum zufrieden durch das Netz
.
Update
Da ich gerade nochmal darauf angesprochen wurde:
FF 3.5 ist auch in Ubuntu-Paketquellen vorhanden. Allerdings nicht als Standard-Firefox. Dort ist es als Paket firefox-3.5 installierbar. Davon würde ich aber abraten, da es sich augenscheinlich noch um die Beta-Version (3.5~b4~hg20090330r24021+nobinonly-0ubuntu1) handelt, auf gar keinen Fall aber um die aktuelle Version 3.5.1, welche wiederum einen bösen, sicherheitskritischen Bug ausbügelt.
Zudem wird unter Kubuntu, bei installiertem Firefox 3.0.xx!, eine Unmenge an Abhängigkeiten nachinstalliert:
apturl firefox-3.5-branding gnome-app-install libgtkhtml2-0 python-gst0.10 python-gtkhtml2 python-launchpad-integration python-sexy python-vte ubufox xulrunner-1.9.1
…was ich mal völlig daneben finde. Da bleib ich lieber bei meiner 32-Bit-Downloadversion. Die wird automatisch aktualisiert (per FF-Autoupdate) und macht, einmal eingerichtet, keine Arbeit.
Update II
Seit heute, 18. Juli, ist auch die Version 3.5.1 in den Quellen vorhanden. Somit spräche eigentlich nichts mehr gegen deren Einsatz - wenn die englische Oberfläche und Sache mit den Abhängigkeiten nicht stört.
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