
Nachdem mein erster Versuch, die damalige Alpha-Version zu installieren, leider scheiterte, habe ich mich wieder ans Werk getraut. openSUSE 11 ist nun schon seit einiger Zeit veröffentlicht - es ist also höchste Zeit.
Als Medium dient die Installations-DVD der Linux-User 08/2008. Die bzw. das Laufwerk, in dem sie sich befindet, binde ich in VirtualBox 1.6.2 als Laufwerk ein, nehme die Standard-Einstellungen vor und starte die Installation.
Nach wenigen Augenblicken startet die Installation mit einer kleinen Animation, der sich das GRUB-Auswahlmenü anschließt. Es beinhaltet die üblichen Optionen. Ich wähle Installation und bekomme die Möglichkeit, die Sprache und die Tastaturbelegung auszuwählen. Die Vorauswahl orientiert sich an der Einstellung, die ich im GRUB-Menü vorgenommen bzw. nicht vorgenommen habe. Bevor es weitergeht, muss ich noch die Lizenzbestimmungen akzeptieren. Ich stelle alles auf Deutsch ein und klicke auf Weiter. Nun kann ich auswählen, ob ich Neuinstallieren, Aktualisieren oder ein bestehendes System reparieren möchte. Natürlich entscheide ich mich für die erste Möglichkeit.
Anschließend wähle ich die Zeitzone aus. Der nächste Punkt ist für mich als Ubuntu-Benutzer, mit seinen vielen Derivaten, ein Novum. Während der Installation kann ich auswählen, welche Arbeitsumgebung ich nutzen möchte. Diese Wahlmöglichkeit wünschte ich mir auch für Ubuntu, da die Auswahl des richtigen Desktops doch gerade für Einsteiger nicht immer ganz einfach ist.
Zur kurzen Erklärung:
Ubuntu setzt von jeher auf GNOME als Arbeitsumgebung. Andere Desktops lassen sich zwar auch relativ leicht nachinstallieren. Das führt aber von Zeit zu Zeit zu Problemen. Will man von Anfang an KDE nutzen, muss man zu Kubuntu, für den XFCE zu Xubuntu greifen. Da diese Derivate wiederum durch die jeweiligen Desktops-Teams entwickelt werden, könnte man Ressourcen schonen und Ubuntu ähnlich dem System von SuSE, zumindest was die Oberfläche betrifft, anpassen.
Aber nun zurück zum Thema.
openSUSE bietet mir die Auswahl zwischen GNOME, KDE 3 und 4, sowie noch einiger anderer Arbeitsumgebungen. Im Untermenü könnte ich XFCE, ein minimales grafisches System oder die Installation einer Server-, also textbasierten, Umgebung selektieren. Da ich aktuell auch KDE 4 unter Ubuntu einsetze, wähle ich ebenfalls KDE 4 für openSUSE aus. Danach gelange ich in das Partitionierungsmenü. Wie fast bei jeder Distribution kann ich den Vorschlag des Installers aufgreife, ihn ändern oder meine ganz persönliche Partitionstabelle erstellen. Der Einfachheit halber übernehme den Vorschlag.
Neuerdings kann man an dieser Stelle den Benutzer von openSUSE anlegen. Dazu gebe ich meinen Vor- und Familiennamen ein. Den Vornamen übernimmt der Installer als Benutzernamen. Ich kann ebenfalls auswählen, dass Root das gleiche Passwort wie er Benutzer bekommt. Das Passwort wird anhand seiner Länge und Zusammensetzung auf seine Sicherheit geprüft. Auch wenn es unsicher erscheint, kann man es dennoch übernehmen. Ein Klick auf Ändern führt mich zu den Einstellungen für Experten. Dort kann ich die Authentifizierungs-Methode und die Art der Verschlüsselung meines Passwortes konfigurieren. Abschließend wird mir eine Zusammenfassung aller Einstellungen angezeigt, die sich auch einzeln ändern lassen.
Da alle Einstellungen soweit zu meiner Zufriedenheit sind, starte ich die Installation.
Nachdem sie abgeschlossen ist, konfiguriert sich SuSE automatisch, nimmt Netzwerkeinstellungen vor und sucht nach Druckern. Danach entferne ich die DVD und reboote das System. Vom Abschluss der Einstellungen und Beginn der Installation bis zum jetzigen Zeitpunkt sind gute 16 Minuten vergangen. Der Bootvorgang endet im obligatorischen Willkommen-Bildschirm. Den klicke ich weg - aber SuSE war so gut, mir direkt auf den Desktop einen Link zu spendieren, der genau diesen wieder öffnet. Ebenso wurde schon ein Link zur openSUSE´s Online-Hilfe angelegt. Der standardmäßige Webbrowser Konqueror öffnet sich zwar, die Hilfeseiten werden allerdings nicht angezeigt. Das liegt daran, dass er, trotz korrektem Nameserver, einfach den URL nicht auflösen kann. Ein Problem das Firefox nicht hat.
Soweit verlief die Installation recht reibungslos. Was nun folgt hat mit einem reibungslosen Ablauf allerdings nicht mehr viel gemein. Fairer Weise muss ich aber dazu schreiben, dass es nicht die Schuld von openSUSE ist, zumindest nicht direkt. Indirekt muss es allerdings schon einen Zusammenhang geben, da die Installation der Gasterweiterungen auf den anderen Testsystemen fast immer funktionierte, bei Ubuntu sogar out-of-the-box. Die Installation der Gasterweiterungen bricht auf Grund fehlender Abhängigkeiten ab. Ich installiere also einige Pakete nach. Das geschieht mit SuSE´s Allround-Werkzeug YAST. Der ist zwar leicht gewöhnungbedürftig, letztlich finde ich jedoch das, was ich suche. Auch wenn es länger dauert, als es mir lieb ist, installiere ich folgende fehlende Pakete: gcc, make, automake, linux-headers und die kernel-sources.
Und dennoch bricht die Installation der Gasterweiterungen immer wieder ab
. Also versuche ich, SuSE ersteinmal auf aktuellsten Stand zu bringen - allerdings bricht auch dieser Vorgang ab, weil sich ein Repository nicht auflösen lässt. Ein frustbedingter Reboot führt wenigstens dazu, dass sich die Erweiterungen installieren lassen. Allerdings funktionieren sie trotz erfolgreicher Einrichtung nicht in zufriedenstellendem Maße, eine Vollbilddarstellung ist nicht möglich. Ebensowenig verlässt der Mauszeiger freiwillig das VirtualBox-Fenster, da muss die Host-Taste herhalten. Das will ich aber nur am Rande erwähnen, da es den normalen User, der openSUSE ja nicht in einer virtuellen Umgebung laufen lässt, nicht betrifft.
Um ein Vielfaches ärgerlicher ist der Umstand, dass openSUSE absolut die Aktualisierung verweigert. Und obwohl die sie abbrach, zeigt mir das System beim nächsten Boot an, dass keine Aktualisierung verfügbar und es somit auf neuestem Stand sei. Irgendwie drängt sich da bei mir der Verdacht auf, dass dies auch mit der fehlerhaften Auflösung des URL zusammenhängen könnte. Andererseits ist aber auch alles up2date
.
Das Ganze wäre allerdings auch nur wirklich nervig, wenn ich planen würde, openSUSE längerfristig zu nutzen. Diese Gefahr ist aber nicht gegeben, so dass ich auch nicht länger nach Ursache und Lösung suchen möchte.
Fazit
Ansonsten kann man nicht viel zu diesem Zeitpunkt über die Distribution sagen. Installations- und Boot-Zeiten sind OK. Das K-Menü, das ja ursprünglich in dieser Form auch von SUSE entwickelt wurde, kommt auch im KDE 4 von Kubuntu zum Einsatz. Dort löste es zwar einige Diskussionen aus, ich find es allerdings schick und praktisch. Die Mischung des schönen blauen Themes mit einem grünen Desktop finde ich allerdings nicht so passend, aber über Geschmack lässt sich nicht streiten.
Von jeher spitzenmäßig finde ich, dass man beim Reboot auswählen kann, welcher Booteintrag genutzt werden soll und das unabhängig von den Default-Einstellungen der menu.lst. Es ist echt schade, dass dieses Feature noch nicht in andere Distributionen Einzug gefunden hat. Schließlich hat man ja einen Grund, weshalb man den Rechner neu starten möchte. Entweder erfolgt der Neustart systembedingt oder man möchte explizit ein anderes Betriebssystem booten. SUSE-typisch wurde auch eine große Anzahl von Software installiert. Auch hier wurde KDE-3- und KDE-4-Software wild gemixt, je nach Verfügbarkeit des Programms. Aber daran habe mich zwischenzeitlich auch schon gewöhnt, wahrscheinlich lässt es sich auch noch gar nicht anders lösen. Apropos KDE, openSUSE setzt hier auf die Version 4.0.4 - die finale Version 4.1 muss ja auch in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.
Persönlich finde ich Ubuntu immer noch als Einsteiger am besten geeignet, wie auch für versierte Anwender. Aber da wird mir wahrscheinlich jeder SuSE-Anwender widersprechen. Selbst nutzte ich es nur bis in die 9er-Versionen produktiv, daher maße ich mir kein Urteil über den alltäglichen Umgang mit dem System an. YaST an sich ist mir allerdings schon immer zu überladen und unübersichtlich gewesen und dazu auch noch oft fehlerhaft.
Apropos fehlerhaft - eigentlich wollte ich ja noch einige Screenshots zu den besagten Features und Programmen präsentieren. Nach einem Reboot -Änderungen habe ich nicht vorgenommen- bleibt der Bildschirm schwarz. So endet mein Test an dieser Stelle und SuSE hinterlässt schließlich nicht den allerbesten Eindruck.
Kommentar von freddiecarlton am 17. August 2008 um 00:10 Uhr
Zitat:
Um ein Vielfaches ärgerlicher ist der Umstand, dass openSUSE absolut die Aktualisierung verweigert. Und obwohl die sie abbrach, zeigt mir das System beim nächsten Boot an, dass keine Aktualisierung verfügbar und es somit auf neuestem Stand sei. Irgendwie drängt sich da bei mir der Verdacht auf, dass dies auch mit der fehlerhaften Auflösung des URL zusammenhängen könnte. Andererseits ist aber auch alles up2date. (Zitat-Ende)
Um openSUSE updaten zu können, musst du zunächst einmal repositories auswählen. Darauf werden Anfänger allerdings nicht ausdrücklich hingewiesen, das ist ein Nachteil.
freddiecarlton