
Da ist doch tatsächlich, mehr oder weniger, der Release der Beta 1 von KDE 4.1 an mit vorbei gezogen. Ich habe zwar etwas davon mitbekommen, es nur nicht ganz für voll genommen.
KDE 4.1 soll die erste auf den Endanwender gezielte Version des neuen KDE-Desktops sein und in einem Monat, also Ende Juli 08, final veröffentlicht werden.
Vor drei Tagen war ich dann durch Zufall auf der Webseite von Kubuntu-Projekt, wo ich nochmals daraufhingewiesen wurde, dass eben diese Beta verfügbar ist. Da das Jucken in den Fingerspitzen nicht nachlassen wollte, musste ich die natürlich testen. Wie ich schon früher angemerkt hatte, bin ich noch nicht wirklich glücklich über die bereits zur Nutzung freigebene bzw. gepriesene Version 4.0 - aber darüber habe ich mich bereits mehrfach ausgelassen bzw. berichtet
.
Gedacht - getan.
Da ich nicht noch eine virtuelle Maschine einrichten wollte, habe ich kurzer Hand eine Sicherung meines Systems mit Clonezilla angefertigt und dann einfach das Upgrade gestartet.
Dazu habe ich nur die auf der oben erwähnten Webseite angegebene Paketquelle in meine sources.list aufgenommen:
deb http://ppa.launchpad.net/kubuntu-members-kde4/ubuntu hardy main
Im Anschluss habe dann das System aktualisiert und das folgende Paket installiert:
kubuntu-kde4-desktop
Daraufhin wurden mir einige 100 MB an Paketen zur Installation angeboten. Dieses Angebot nahm ich an. Schmerzlich daran war nur, dass DigiKam für die Installation entfernt werden musste. Da gibt es wohl noch einige Probleme mit GWenview. Am Ende musste ich nur noch den zukünftig zu nutzenden Display-Manager auswählen. Da ich, wenn es denn funktioniert hätte, gern KDE 4 nutzen wollen würde, wählte ich kdm-kde4 aus.
Schließlich beendete ich den X-Server komplett und startete ihn erneut. Im Punkt Session konnte ich nun KDE4 auswählen. Nachdem KDE geladen wurde, zeigte sich eine aus früheren Versuchen relativ vertraute Oberfläche, die aber schon optisch einige Änderungen und Verbesserungen zu bieten hatte. Für den täglichen Gebrauch war der Desktop aber noch nicht wirklich nutzbar. Es kam immer wieder zu Abstürzen oder der Desktop baute sich bei aktivierter Composite-Funktionalität nicht vollständig auf. Auch der Adept-Manager war noch nicht für die KDE 4 verfügbar und Synaptic hängte sich immer wieder am Ende einer Installation auf. Das war ziemlich nervig, da er grundsätzlich eine gute Übersicht über die Pakete bietet, die von der hinzugefügten Paketquelle installierbar sind. Es blieb mir nichts anderes übrig, als Synaptic ohne root-Berechtigung zu starten und die Pakete so zu suchen, um sie dann in der Konsole zu installieren.
Positiv fiel mir auf, dass ich, im Gegensatz zu früheren Versuchen, KDE-Programme nicht mehr mit dem Zusatz kde4 starten musste. Die ausführbaren Dateien für die KDE4-Programme liegen alle unter /usr/lib/kde4/bin. So können die KDE-4-Programme auch unter KDE 3 gestartet werden. Unter KDE 4 reicht der Name des Programms aus, einfach im Terminal eingegeben oder als Befehl für ein Desktop-Symbol. Im KDE-Menü werden die KDE-4-Programme wie gewohnt angezeigt, die KDE-3-Versionen tragen den entsprechenden Zusatz.
Im /home-Verzeichnis bliebt das existierende .kde-Verzeichnis bestehen, da liegen ja auch sämtliche Konfigurationsdateien für den 3er. Hinzu kommt das Verzeichnis .kde4, wo die Einstellungen des 4er abgelegt werden. Nebenbei erwähnt funktioniert es auch, wenn man das Verzeichnis .kde4 löscht und statt dessen einfach einen symbolischen Link auf .kde setzt.
rm -r ~/.kde4
ln -s ~/.kde ~/.kde4
Der Vorteil an der Sache ist, dass so im KDE 4 sämtliche Einstellungen und Daten seines Vorgängers übernommen werden. Das betrifft z.B. auch Einstellungen von KMail, Kontact, Kopete und Co.
Nachteilig können sich die Einstellungen fürs Aussehen etc. allerdings im KDE 3 auswirken, da ja beide Desktops so auf die selben Konfigurationsdateien zugreifen.
Zusammenfassend waren schon einige viele Verbesserungen zu sehen und auch im Handling festzustellen. Allerdings kam es zu nicht reproduzierbaren Abstürzen einiger Programme, allen voran Dolphin. Vor allem der neue Kopete macht Lust auf mehr. Um für den SSL verfügbar zu machen, muss allerdings noch das Paket libqca2-plugin-ossl nachinstalliert werden. Endlich wurde auch die neue Version von Kontact integriert, auch wenn man diese manuell nachinstallieren muss und sie nicht Bestandteil des Pakets kubuntu-kde4-desktop ist.
Nun, nachdem ich mein System Dank seines Klons wiederhergestellt habe, lese ich, dass mittlerweile die Beta 2 verfügbar ist. Also wiederhole ich flux die oben genannten Schritte und installiere mir diese auch gleich wieder. Besonders die überarbeitete Optik springt mir dabei ins Auge - leider lässt sich weder Kontact, noch eine seiner Komponenten starten. Statt des Programms wird die folgende Fehlermeldung angezeigt:
symbol lookup error: /usr/lib/kde4/lib/libkdepim.so.4: undefined symbol: _ZN13KRichTextEdit17mouseReleaseEventEP11QMouseEvent
Ansonsten treten die oben genannten Probleme der Beta 1 immer noch auf, abgesehen von den Programm-Abstürzen. Ich denke, ein Update wird früher oder später auch diese Probleme lösen.
Um jedoch nicht ständig mein System klonen zu müssen, installiere ich mir direkt Kubuntu mit KDE 4 in einer virtuellen Umgebung.
Fazit:
Zusammenfassend kann man sagen, dass KDE 4.1 einen weiten Schritt gemacht hat und so langsam auch an einen Status gelangt, wo er produktiv eingesetzt werden kann. Viele Verbesserungen und Änderungen sind eingeflossen, immer mehr Pakete verfügbar. Es ist klar, dass längst nicht alle Bugs ausgemerzt wurden. Das ist wohl auch nicht für den Release zu erwarten, zumindest nicht in der Anfangszeit. Bis dahin werden aber, zumindest in dieser Hinsicht, noch ein paar spannende Wochen zu erwarten sein.
[UPDATE]
Nach dem Einstpielen der heutigen (27.06.08) Aktualisierungen funktioniert Kontact & Co wieder.
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