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ICQ oder Mätzchen ohne Ende

Schlagwörter: 12111, Chat, Gajim, ICQ, Jabber, kopete, OTR, Pidgin, Verbindungsfehler

Gestern war es mal wieder so weit, ICQ war nicht nutzbar. In let­zter Zeit zieht ICQ ja so seine Kreise und die wenig­sten sind begeis­tert. Viele nehmen das ein­fach hin, bekom­men die Prob­lematik gar nicht mit, oder sind sich der Alter­na­tiven nicht bewusst.

Prob­leme, die in Zusam­men­hang mit ICQ auftreten, sind nicht neu und auch nicht sel­ten. Meist wird ICQ als Pro­tokoll (Oscar) und der ICQ-Client, von icq.com, ver­wech­selt. Let­zterer ist lediglich ein Client, von vie­len, der das ICQ-Protokoll nutzen kann. Sicher ist, dass er, als der hau­seigene Client, natür­lich auch die meiste Funk­tion­al­ität bietet. Auf­fal­l­end ist sofort die bunte Optik, mit einer Vielzahl von grellen Effek­ten. Daneben sind aber auch einige nüt­zliche und weniger nüt­zliche Funk­tio­nen zu finden.

Eine Sprachverbindung ist, afaik, nur zwis­chen zwei Original-Clients auf­baubar. Gle­iches gilt für die TZers und die inte­gri­erten Spiele. Klar — das sind alles besten­falls nette Gim­micks und eine Sprachverbindung bekommt man besser und leichter mit Skype aufge­baut. Allerd­ings sind dies auch die Fea­tures, die die jün­geren Gen­er­a­tio­nen zur Nutzung von ICQ veranlassen.

Hinzu kommt der Umstand, dass der Original-Client auch ein­fach funk­tion­iert — eben nur unter Win­dows und mit den Nachteilen, die ich fol­gend zur Sprache werde.

Das Ganze beginnt schon bei der Instal­la­tion des Original-Clients bzw. bei der Reg­istrierung eines Zugangs. Dort muss man die Nutzungs­bes­tim­mungen bestäti­gen, die den Gebrauch des Clients und den des Pro­tokolls, respek­tive der ICQ-Server regeln. Die fol­gen­den Auszüge sprechen für sich selbst und bedür­fen wohl keiner weit­eren Worte:

Weit­er­gabe von Informationen

“[…] JEGLICHE INFORMATION ODER MATERIAL, DAS AN ICQ EINGEREICHT ODER GESCHICKT WIRD, AUSSCHLIESSLICH PRIVATER KOMMUNIKATIONEN ZWISCHEN EINEM BENUTZER UND ANDEREN BENUTZERN, DIE ICQ NICHT ANSCHLIESSEND VERFÜGBAR GEMACHT WERDEN, WIRD FÜR NICHT VERTRAULICH ODER GEHEIM GEHALTEN.

Durch das Vor­legen oder Ein­schicken von Doku­menten, Infor­ma­tio­nen oder anderem Mate­r­ial (“Mate­r­ial”) bei ICQ oder durch das Postieren von Infor­ma­tio­nen, die in den diversen ICQ-Verzeichnissen sowie Werkzeu­gen und Nachrichten auf den ICQ-Nachrichtenboards

(1) gewähren Sie, dass Sie kein­er­lei Rechte an dem Mate­r­ial haben, dass nach Ihrem besten Wis­sen keine andere Partei irgendwelche Rechte an dem Mate­r­ial hat;

(2) gewähren Sie ICQ eine uneingeschränkte, fortwährende, unwider­ruf­bare Lizenz, das Mate­r­ial in allen Medien zu benutzen, zu repro­duzieren, anzuzeigen, vorzuführen, zu bear­beiten, abzuän­dern, zu übertra­gen und zu verteilen; und

(3) Sie erk­lären sich damit ein­ver­standen, dass ICQ es frei steht, jegliche Ideen, Know-How, Konzepte, Tech­niken oder andere Mate­ri­alien, die Sie uns für jeglichen Zweck schicken, zu benutzen.”

Zusam­men­fassend kann man also sagen, dass egal was man über das ICQ-Netzwerk ver­schickt, diese Daten auch von ICQ zu deren Nutzen ver­wen­det wer­den könn(t)en. In dieser Form geht es lustig durch die gesamten Nutzungs­bes­tim­mungen (meherere Seiten). Per­sön­lich finde ich den Hin­weis am Fuße einer dieser Seiten viel ver­sprechend, dass ICQ Inc. es sich vor­be­hält, diese Nutzungs­be­din­gun­gen von Zeit zu Zeit ändern und der User diese doch bitte regelmäßig liest.

Das soll aber nur ein kurzer Exkurs sein und ich wollte es an dieser Stelle erwähnt haben. Ein Schelm, wer sich Böses dabei dankt, dass ICQ weder eine eigene [[ICQ|Verschlüsselung]] bietet, noch es Drit­ten ermöglicht, dieses umzuset­zen Evil .

Doch nun zu den eigentliche Problemen

Das es von Zeit zu Zeit nicht möglich ist, sich mit Fremd-Clients in das ICQ-Netzwerk zu verbinden, ist hin­länglich bekannt. Neuerd­ings gilt das sogar auch für den originalen Shock

Dann tauchte vor einer einiger Zeit der ominöse User 12111 aka ICQ Sys­tem in den Kon­tak­tlis­ten zahlre­icher, vieler, der meis­ten ICQ-User auf. In zahllosen Boards wurde darüber berichtet, er wurde gelöscht und tauchte trotz­dem wieder auf. Ebenso viele Mut­maßun­gen zu seinem Sinn und Zweck wur­den angestellt. Sie reichten bis hin zu erfol­gre­ichen Hack­eran­grif­fen auf die Server und dem Ver­such, seit­ens ICQ, dies zu verschleiern.

Genährt wur­den diese Gerüchte von der Tat­sache, dass sich ICQ selbst nur ver­spätet zu den Umstän­den äußerte und dies auch noch in lap­i­darer Weise. Nach der Angabe auf deren Web­seite, wurde der Account zur Hilfe für den Umstieg auf ICQ 6 geschaf­fen und um die Kom­mu­nika­tion zum User zu verbessern. Da drän­gen sich mir doch auf Anhieb drei Fra­gen auf:

  1. Warum wurde dieser Account erst so spät nach Ein­führung von ICQ 6 geschaffen?
  2. Warum ließ ICQ seine User so unendlich lange auf eine Erk­lärung warten, diese dann so knapp aus­fallen und vor allem, warum wurde das nicht im Vor­feld angekündigt?
  3. Welcher arme Tropf muss die ganzen Mes­sages bear­beiten — sind da etwa flinke indis­che Kinder­hände gefordert? Cool

Die Farce gipfelte dann in einem Video auf einer rus­sis­chen Web­seite. Auf dieser präsen­tierten sich Scherzkekse in Al-Qaida-Manier und stell­ten sich als die bösen Cracker-Buben aus Sibirien vor. Immer­hin waren sie so nett, die Welt vor ihren gefährlichen Genie-Streichen zu waren.

Doch gestern kam es dann zum let­zten Coup der Firma aus Dulles, VA, in dem sie eine Großzahl von Fremd-Clients und auch ältere Ver­sio­nen ihres eige­nen aus dem Net­zw­erk aussper­rte. Viele User nur die Mel­dung zu sehen beka­men, dass sie ihren Client aktu­al­isieren sollen, obwohl eine Verbindung zum Server zu Stande kommt. In meinem KDE 4.1 kann der [[Kopete]] sich zwar noch verbinden, der weit ver­bre­it­ete [[Pid­gin]], zumin­d­est in der Ver­sion aus den [[Paketquellen]] von [[Ubuntu]], bleibt außen vor.

Warum das Ganze?

Immer wieder kommt es zu Speku­la­tio­nen, dass ICQ es den Fremd-Clients nicht mehr möglich machen will, ihr Net­zw­erk zu nutzen. Das macht durch aus Sinn, steht doch eine Firma hin­ter ICQ. Per Def­i­n­i­tion hat diese ein finanzielles Inter­esse. ICQ an sich ist kosten­los, finanziert sich aber auch durch Wer­bung. Diese bekommt man natür­lich bei Ver­wen­dung eines alter­na­tiven Clients nicht zu Gesicht — und schon wieder ein Grund, um den Client zu wech­seln. Ander­er­seits ver­spricht man sich wohl auch Ein­nah­men durch die Ver­mark­tung der User-Informationen und, wie oben beschrieben, der Kom­mu­nika­tion zwis­chen den Usern. Dies ist aber reine Speku­la­tion mein­er­seits.

Auf­fäl­lig ist aber, dass ICQ kein­er­lei Ver­schlüs­selung unter­stützt, weder [[GnuPG]] noch [[OTR]] — so ließe sich ja auch die Kom­mu­nika­tion nicht mitver­fol­gen. Uups, da haben wir ja schon Punkt 2, der für den Wech­sel zu einer Alter­na­tive spricht. OTR-fähige Clients ver­schlüs­seln die Kom­mu­nika­tion, egal welches Pro­tokoll ver­wen­det wird.

Alter­na­tiven

Ein­gangs erwäh­nte ich Alter­na­tiven, die man an Stelle von ICQ nutzen kann, ja sollte. Eine davon ist das freie Jab­ber. Das gehört im Gegen­satz zu ICQ und MSN keiner Firma. Prinzip­iell kann jeder seinen eige­nen Jabber-Server auf­set­zen. User bekom­men dann von dem ihre JID (Jabber-ID), die in ihrem Auf­bau einer E-Mail-Adresse ähnelt. Dies funk­tion­iert direkt aus dem jew­eili­gen Client her­aus. Da grund­sät­zlich jeder einen Server betreiben kann, sollte man sich seinen gut aus­suchen, damit man nicht eines Tages ohne Zugang da steht. Für meine Kon­takte im ubuntu-forum nutze ich sel­ber ubuntu-jabber.de, für den pri­vaten Bere­ich jabber.org.

Mit Jab­ber sind eben­falls MultiUserChats möglich. Das sind Räume, in denen sich mehrere User gle­ichzeitig unter­hal­ten können.

Als Client kom­men die schon erwäh­n­ten Multi-Clients Kopete oder Pid­gin zum Ein­satz, es gibt aber auch Spezial­is­ten wie Gajim. Let­zterer ver­steht sich nur auf Jab­ber und ist für Linux und Win­dows verfügbar.

Fazit

Durch die Mätzchen, die ICQ betreibt, wird es für mich immer unin­ter­es­san­ter. Lei­der ist es aber auch Tat­sache, dass viele –vor allem Windows-User– nicht so ohne weit­eres bereit sein wer­den, ihren Chat-Client zu wech­seln. Dies wird wohl an den zu Beginn aufge­führten Grün­den liegen, oder aber auch an dem Fakt, dass der Men­sch als solcher ein Gewohn­heit­stier ist. Lei­der geht so ein Wech­sel nicht ein­fach so und leicht von­stat­ten und hier und da ist einiges an Überre­dungskunst notwendig.

Wer den Wech­sel zu Jab­ber nicht kom­plett vol­lziehen will oder kann, sollte zumin­d­est einen alter­na­tiven Client zum Ein­satz brin­gen. Durch die Nutzung eines soge­nan­nten Multi-Clients, ein Client für ver­schiedene Pro­tokolle, kann man sich auch das Starten ver­schiedener Mes­sen­ger ers­paren. Diese sind für nahezu jede Plat­tform erhältlich.

Geschrieben am 02.07.2008 von Sven in Aktuelles, Linux, Windows · 2 Kommentare
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2 Komentare auf “ICQ oder Mätzchen ohne Ende”

  1. armineinseins11 sagt:

    Mit­tler­weile funk­tion­ieren die meis­ten alter­na­tiven Clients wieder, da die Pid­gin Entwick­ler die Bib­lio­thek libpur­ple angepasst haben.
    Zum Thema Wech­sel, es liegt nicht nur daran das der Men­sch ein Gewohn­heit­stier ist, er ist auch bequem.
    Man stelle sich vor einer hat 50 aktive Kon­takte bei ICQ, diese 50 Kon­takte haben wiederum je 50 und so weiter.
    Nur mit Überre­dungskunst ist da nicht viel zu machen.
    Solange die Nachteile von ICQ nicht offen­sichtlich sind, kämpft man da gegen Wind­mühlen.
    Ab und an bekommt man mal einen dazu zu Jab­ber zu wech­seln, aber das man die Masse dazu bewegt, ist fast nicht mach­bar.
    Als Fazit bleibt, solange ICQ funk­tion­iert und das tut es für gewöhn­lich, wird Jab­ber ein Schat­ten­da­sein im Kreise einiger Eingewei­hter führen.

  2. Buba sagt:

    Tja, und was es jetzt mit diesem ominösen User auf sich hat, weiß immer noch nie­mand, oder? Den hab ich natür­lich auch bei mir auf ein­mal gehabt (Pidgin)…

    Jab­ber benutze ich in kleinem Kreis ja auch, aber bring mal Fre­un­den bei, das zu benutzen, soviel Überre­dungskunst hat nicht mal ein Verkäufer auf einem Basar…

    so long…


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