Gestern war es mal wieder so weit, ICQ war nicht nutzbar. In letzter Zeit zieht ICQ ja so seine Kreise und die wenigsten sind begeistert. Viele nehmen das einfach hin, bekommen die Problematik gar nicht mit, oder sind sich der Alternativen nicht bewusst.
Probleme, die in Zusammenhang mit ICQ auftreten, sind nicht neu und auch nicht selten. Meist wird ICQ als Protokoll (Oscar) und der ICQ-Client, von icq.com, verwechselt. Letzterer ist lediglich ein Client, von vielen, der das ICQ-Protokoll nutzen kann. Sicher ist, dass er, als der hauseigene Client, natürlich auch die meiste Funktionalität bietet. Auffallend ist sofort die bunte Optik, mit einer Vielzahl von grellen Effekten. Daneben sind aber auch einige nützliche und weniger nützliche Funktionen zu finden.
Eine Sprachverbindung ist, afaik, nur zwischen zwei Original-Clients aufbaubar. Gleiches gilt für die TZers und die integrierten Spiele. Klar — das sind alles bestenfalls nette Gimmicks und eine Sprachverbindung bekommt man besser und leichter mit Skype aufgebaut. Allerdings sind dies auch die Features, die die jüngeren Generationen zur Nutzung von ICQ veranlassen.
Hinzu kommt der Umstand, dass der Original-Client auch einfach funktioniert — eben nur unter Windows und mit den Nachteilen, die ich folgend zur Sprache werde.
Das Ganze beginnt schon bei der Installation des Original-Clients bzw. bei der Registrierung eines Zugangs. Dort muss man die Nutzungsbestimmungen bestätigen, die den Gebrauch des Clients und den des Protokolls, respektive der ICQ-Server regeln. Die folgenden Auszüge sprechen für sich selbst und bedürfen wohl keiner weiteren Worte:
“[…] JEGLICHE INFORMATION ODER MATERIAL, DAS AN ICQ EINGEREICHT ODER GESCHICKT WIRD, AUSSCHLIESSLICH PRIVATER KOMMUNIKATIONEN ZWISCHEN EINEM BENUTZER UND ANDEREN BENUTZERN, DIE ICQ NICHT ANSCHLIESSEND VERFÜGBAR GEMACHT WERDEN, WIRD FÜR NICHT VERTRAULICH ODER GEHEIM GEHALTEN.
Durch das Vorlegen oder Einschicken von Dokumenten, Informationen oder anderem Material (“Material”) bei ICQ oder durch das Postieren von Informationen, die in den diversen ICQ-Verzeichnissen sowie Werkzeugen und Nachrichten auf den ICQ-Nachrichtenboards
(1) gewähren Sie, dass Sie keinerlei Rechte an dem Material haben, dass nach Ihrem besten Wissen keine andere Partei irgendwelche Rechte an dem Material hat;
(2) gewähren Sie ICQ eine uneingeschränkte, fortwährende, unwiderrufbare Lizenz, das Material in allen Medien zu benutzen, zu reproduzieren, anzuzeigen, vorzuführen, zu bearbeiten, abzuändern, zu übertragen und zu verteilen; und
(3) Sie erklären sich damit einverstanden, dass ICQ es frei steht, jegliche Ideen, Know-How, Konzepte, Techniken oder andere Materialien, die Sie uns für jeglichen Zweck schicken, zu benutzen.”
Zusammenfassend kann man also sagen, dass egal was man über das ICQ-Netzwerk verschickt, diese Daten auch von ICQ zu deren Nutzen verwendet werden könn(t)en. In dieser Form geht es lustig durch die gesamten Nutzungsbestimmungen (meherere Seiten). Persönlich finde ich den Hinweis am Fuße einer dieser Seiten viel versprechend, dass ICQ Inc. es sich vorbehält, diese Nutzungsbedingungen von Zeit zu Zeit ändern und der User diese doch bitte regelmäßig liest.
Das soll aber nur ein kurzer Exkurs sein und ich wollte es an dieser Stelle erwähnt haben. Ein Schelm, wer sich Böses dabei dankt, dass ICQ weder eine eigene [[ICQ|Verschlüsselung]] bietet, noch es Dritten ermöglicht, dieses umzusetzen
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Das es von Zeit zu Zeit nicht möglich ist, sich mit Fremd-Clients in das ICQ-Netzwerk zu verbinden, ist hinlänglich bekannt. Neuerdings gilt das sogar auch für den originalen ![]()
Dann tauchte vor einer einiger Zeit der ominöse User 12111 aka ICQ System in den Kontaktlisten zahlreicher, vieler, der meisten ICQ-User auf. In zahllosen Boards wurde darüber berichtet, er wurde gelöscht und tauchte trotzdem wieder auf. Ebenso viele Mutmaßungen zu seinem Sinn und Zweck wurden angestellt. Sie reichten bis hin zu erfolgreichen Hackerangriffen auf die Server und dem Versuch, seitens ICQ, dies zu verschleiern.
Genährt wurden diese Gerüchte von der Tatsache, dass sich ICQ selbst nur verspätet zu den Umständen äußerte und dies auch noch in lapidarer Weise. Nach der Angabe auf deren Webseite, wurde der Account zur Hilfe für den Umstieg auf ICQ 6 geschaffen und um die Kommunikation zum User zu verbessern. Da drängen sich mir doch auf Anhieb drei Fragen auf:
Die Farce gipfelte dann in einem Video auf einer russischen Webseite. Auf dieser präsentierten sich Scherzkekse in Al-Qaida-Manier und stellten sich als die bösen Cracker-Buben aus Sibirien vor. Immerhin waren sie so nett, die Welt vor ihren gefährlichen Genie-Streichen zu waren.
Doch gestern kam es dann zum letzten Coup der Firma aus Dulles, VA, in dem sie eine Großzahl von Fremd-Clients und auch ältere Versionen ihres eigenen aus dem Netzwerk aussperrte. Viele User nur die Meldung zu sehen bekamen, dass sie ihren Client aktualisieren sollen, obwohl eine Verbindung zum Server zu Stande kommt. In meinem KDE 4.1 kann der [[Kopete]] sich zwar noch verbinden, der weit verbreitete [[Pidgin]], zumindest in der Version aus den [[Paketquellen]] von [[Ubuntu]], bleibt außen vor.
Immer wieder kommt es zu Spekulationen, dass ICQ es den Fremd-Clients nicht mehr möglich machen will, ihr Netzwerk zu nutzen. Das macht durch aus Sinn, steht doch eine Firma hinter ICQ. Per Definition hat diese ein finanzielles Interesse. ICQ an sich ist kostenlos, finanziert sich aber auch durch Werbung. Diese bekommt man natürlich bei Verwendung eines alternativen Clients nicht zu Gesicht — und schon wieder ein Grund, um den Client zu wechseln. Andererseits verspricht man sich wohl auch Einnahmen durch die Vermarktung der User-Informationen und, wie oben beschrieben, der Kommunikation zwischen den Usern. Dies ist aber reine Spekulation meinerseits.
Auffällig ist aber, dass ICQ keinerlei Verschlüsselung unterstützt, weder [[GnuPG]] noch [[OTR]] — so ließe sich ja auch die Kommunikation nicht mitverfolgen. Uups, da haben wir ja schon Punkt 2, der für den Wechsel zu einer Alternative spricht. OTR-fähige Clients verschlüsseln die Kommunikation, egal welches Protokoll verwendet wird.
Eingangs erwähnte ich Alternativen, die man an Stelle von ICQ nutzen kann, ja sollte. Eine davon ist das freie Jabber. Das gehört im Gegensatz zu ICQ und MSN keiner Firma. Prinzipiell kann jeder seinen eigenen Jabber-Server aufsetzen. User bekommen dann von dem ihre JID (Jabber-ID), die in ihrem Aufbau einer E-Mail-Adresse ähnelt. Dies funktioniert direkt aus dem jeweiligen Client heraus. Da grundsätzlich jeder einen Server betreiben kann, sollte man sich seinen gut aussuchen, damit man nicht eines Tages ohne Zugang da steht. Für meine Kontakte im ubuntu-forum nutze ich selber ubuntu-jabber.de, für den privaten Bereich jabber.org.
Mit Jabber sind ebenfalls MultiUserChats möglich. Das sind Räume, in denen sich mehrere User gleichzeitig unterhalten können.
Als Client kommen die schon erwähnten Multi-Clients Kopete oder Pidgin zum Einsatz, es gibt aber auch Spezialisten wie Gajim. Letzterer versteht sich nur auf Jabber und ist für Linux und Windows verfügbar.
Durch die Mätzchen, die ICQ betreibt, wird es für mich immer uninteressanter. Leider ist es aber auch Tatsache, dass viele –vor allem Windows-User– nicht so ohne weiteres bereit sein werden, ihren Chat-Client zu wechseln. Dies wird wohl an den zu Beginn aufgeführten Gründen liegen, oder aber auch an dem Fakt, dass der Mensch als solcher ein Gewohnheitstier ist. Leider geht so ein Wechsel nicht einfach so und leicht vonstatten und hier und da ist einiges an Überredungskunst notwendig.
Wer den Wechsel zu Jabber nicht komplett vollziehen will oder kann, sollte zumindest einen alternativen Client zum Einsatz bringen. Durch die Nutzung eines sogenannten Multi-Clients, ein Client für verschiedene Protokolle, kann man sich auch das Starten verschiedener Messenger ersparen. Diese sind für nahezu jede Plattform erhältlich.
Tja, und was es jetzt mit diesem ominösen User auf sich hat, weiß immer noch niemand, oder? Den hab ich natürlich auch bei mir auf einmal gehabt (Pidgin)…
Jabber benutze ich in kleinem Kreis ja auch, aber bring mal Freunden bei, das zu benutzen, soviel Überredungskunst hat nicht mal ein Verkäufer auf einem Basar…
so long…
Mittlerweile funktionieren die meisten alternativen Clients wieder, da die Pidgin Entwickler die Bibliothek libpurple angepasst haben.
Zum Thema Wechsel, es liegt nicht nur daran das der Mensch ein Gewohnheitstier ist, er ist auch bequem.
Man stelle sich vor einer hat 50 aktive Kontakte bei ICQ, diese 50 Kontakte haben wiederum je 50 und so weiter.
Nur mit Überredungskunst ist da nicht viel zu machen.
Solange die Nachteile von ICQ nicht offensichtlich sind, kämpft man da gegen Windmühlen.
Ab und an bekommt man mal einen dazu zu Jabber zu wechseln, aber das man die Masse dazu bewegt, ist fast nicht machbar.
Als Fazit bleibt, solange ICQ funktioniert und das tut es für gewöhnlich, wird Jabber ein Schattendasein im Kreise einiger Eingeweihter führen.